Fachbeitrag 2017
Gendersensible Bildungs- und Berufsberatung hat die Aufgabe, bei der Überwindung von Barrieren zu helfen, um Männern und Frauen gleiche Chancen zu gewährleisten. Die Autorinnen stellen dar, wie „Doing Gender“ auch in der Berufsausbildung stattfindet und formulieren Qualitätsanforderungen an die Berufs- und Bildungsberatung.
Die Segregation der Geschlechter am Arbeitsmarkt ist nicht nur in Österreich eine konstante Größe. So arbeiten in vielen Berufsfeldern entweder überwiegend Männer oder überwiegend Frauen. Sprachlich wird das teilweise zwanghaft aufrechterhaltene binäre Geschlechtermodell durch Begriffe wie „Frauenberufe“ und „Männerberufe“ abgebildet und durch performative Akte des „Doing Gender“ wiederkehrend konstituiert und legitimiert. Dieses Phänomen bildet sich auch in der vorausgehenden Lehrausbildung ab. Das zeigen Auswertungen von Gruppendiskussionen mit Lehrlingen, die in Fokusgruppen zum Einfluss des Geschlechts bei der Berufswahlentscheidung befragt wurden.
Gendersensible Bildungs- und Berufsberatung hat im Sinne des Gleichstellungsauftrags die Aufgabe, bei der Überwindung von Bildungsbarrieren zu helfen, um gleiche Chancen zu gewährleisten. Dazu müssen Berater/innen einerseits ihre eigenen Zugänge und Werte offenlegen und andererseits personenzentriert den individuellen Lebensentwurf des/der Einzelnen wahr- und wichtig nehmen. Entsprechend der sich daraus ergebenden Bedürfnisse des/der zu Beratenden gilt es den Beratungsprozess und das Beratungsangebot zu gestalten.